Tel Esqof – die Christen kehren zurück und feiern das Kreuz!

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 Ende Januar 217 sind die ersten 12 christlichen Familien in die Stadt Tel Esqof (eine Kleinstadt, die bevor ISIS im Herbst 2014 die Bewohner zur Flucht zwang ca. 12.000 christliche Einwohner hatte), knapp 30 km nördlich von Mosul gelegen, zurückgekehrt.

Mittlerweile kommen beinahe täglich weitere Rückkehrerfamilien dazu und der von kurdischen Peshmarga und Soldaten der christlichen NPU (Ninive Plain Protection Units) beschützen Ort beginnt wieder zu leben.

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Am vergangenen Samstag wurde in der St. Georgskirche von Tel Esqof die erste Hl. Messe seit über 30 Monaten gefeiert. Zelebriert wurde diese von S.H. Louis Raphaël I Sako, dem chaldäisch-katholischer Patriarch von Babylon (der extra aus Bagdad angereist war), S.E. Mikha Pola Maqdassi, dem chaldäisch-katholischen Bischof von Alqosh und – als besonderem Gast – S.E. Dr. Manfred Scheuer, dem Diözesanbischof von Linz in Österreich, der sich für einige Tage mit einer hochrangig besetzten Delegation vor Ort aufgehalten hatte, um sich einen Eindruck von der Lage der Christen im Nordirak zu verschaffen.

Man konnte Bischof Scheuer und seinen Begleitern ansehen, dass sie bewegt waren vom Ausmass der Zerstörung im Nachbarort Batnaya, den sie noch kurz vor dem Gottesdienst besucht hatten. Es gibt dort kaum ein Haus, das nicht zerstört oder schwer beschädigt ist.

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Mit ihren Emotionen waren die Besucher aus Österreich in dem überfüllten Gotteshaus nicht alleine, denn für all die vertriebenen Menschen aus Tel Esqof war es ein besonderes Erlebnis, wieder in Ihrer Kirche, in der sie getauft worden waren, Hochzeiten und Trauerfeiern abgehalten und weitere entscheidende Lebensmomente verbracht hatten, erneut Gott zu loben und zu preisen.

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Nach der Feier der Heiligen Messe zog die gesamte Gemeinde an den Ortsrand von Tel Esqof, wo auf einem Hügel ein über zehn Meter hohes Kreuz errichtet worden ist. Dieses wurde, nachdem es vom Patriarchen gesegnet worden ist, mit Feuerwerk eingeweiht. Anschließend erstrahlte zum ersten mal das Licht dieses Kreuzes, das zukünftig (gleich dem 2014 in den Bergen über Alqosh errichteten „Schwesterkreuz“) die Nächte in der Ninive-Ebene erhellen wird.

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Irak: Sie haben Hoffnung inmitten von Not und Krieg

Ich möchte den Dreikönigstag zum Anlass nehmen, Ihnen über meine jüngste Reise in die Ninive-Ebene und die autonome Region Kurdistan im Nordirak zu berichten. Während der Weihnachtszeit besuchte ich die verbliebenen Christen im Raum Alqosh, vom IS aus der Ninive-Ebene vertriebene Christen in den verschiedenen Flüchtlingslagern, aber auch Orte und Flüchtlingslager, die von Jesiden bewohnt werden.

Der Krieg mit all seinen Verwüstungen ist in der gesamten Region weiterhin ständig präsent. Um Mosul wird erbittert gekämpft, man hört die Detonationen der Bomben und Geschosse, sieht die großen Rauchsäulen teils aus weiter Entfernung und je nachdem, wo man sich befindet, erinnern einen auch Schüsse daran, wie nahe Tod und Zerstörung sind. Sie sind stets nur wenige Kilometer entfernt.

Ich konnte im militärischen Sperrgebiet die von der irakischen Armee und den kurdischen Peshmerga befreiten Städte und Dörfer Qaraqosh, Karamles und Bartella im Osten, das Kloster Mar Behnam im Südosten und die Orte Tel Esqof, Baqofa und Batnaya im Norden der Stadt Mosul besuchen. Die Bilder gleichen sich:

Alle Kirchen sind geplündert, durch Brände zerstört und verwüstet. Die Altäre, Statuen, Heiligenbilder und andere Darstellungen zerschlagen und entweiht. Soldaten, sowie Priester und Gläubige, die tagsüber in die Orte kommen, tun ihr Bestes um die Trümmer zu entfernen, Ordnung zu schaffen und die verbliebenen Reste der heiligen Gegenstände in Ehren zu halten, indem sie diese um die geschändeten Altäre gruppieren.

Qaraqosh 1

 

Qaraqosh 2

Den Wohnhäusern und Geschäften erging es teils noch schlimmer als den Kirchen. In allen befreiten Orten wurden bis zu 70% der Gebäude zerstört, durch Feuer verwüstet und unbewohnbar gemacht. Überall sind noch die Tunnelsysteme anzutreffen, welche die Terroristen angelegt haben, um sich zu verstecken und die Befreier aus dem Hinterhalt anzugreifen.

Mancherorts, wie in Batnaya, ist von ganzen Stadtvierteln nur ein Trümmerfeld geblieben. Die Straßen, die Trümmerfelder und die verbliebenen Gebäude und Ruinen sind voller Sprengfallen, die mühsam gesucht und entschärft werden müssen. Die Bereinigung von Sprengfallen und Minen stellt eine gefährliche und langwierige Aufgabe dar und wird noch lange dauern.

Batnaya

Die Schlacht um Mosul selbst ist eine große Tragödie, über die in unseren Medien kaum berichtet wird. In der Stadt, auf die die irakische Armee in den vergangenen Tagen eine neue massive Offensive gestartet hat, um sie vom Islamischen Staat zu befreien, sind immer noch mehr als eine Million Zivilisten gefangen und eingekesselt, die von den Terroristen als menschliche Schutzschilde benutzt werden.

Mehr als 100.000 Menschen konnten bisher fliehen und fanden Zuflucht in neuen Flüchtlingslagern nahe dem Kampfgebiet. Bei den Kämpfen zur Befreiung Mosuls sind seit Oktober rund 10.000 Todesopfer, einschließlich der getöteten Zivilisten und Soldaten, zu beklagen.

Sowohl die Vertriebenen, die bereits ihren dritten Winter in teils provisorischen Lagern ausharren, als auch jene Menschen, die jetzt aus Mosul fliehen, werden noch viele Monate lang warten müssen, bevor eine schrittweise Rückkehr möglich sein wird.

Unter welch schwierigen Bedingungen diese Menschen teilweise zurechtkommen, zeigen die folgenden Bilder, die in einem Lager entstanden sind, in dem vertriebene Jesiden aus der Sinjar-Region bereits den dritten Winter verbringen. Ohne Heizung und mit nur maximal 6 Stunden Elektrizität am Tag (und damit geht es diesen Vertriebenen noch gut, denn es existieren auch Lager ohne jegliche Versorgung mit Strom).

Verschlimmert wird die Lage dieser jesidischen Vertriebenen dadurch, dass die Behörden der autonomen Region Kurdistan zu Beginn dieser Woche die Büros der wichtigsten Jesiden-Hilfsorganisation Yazda geschlossen und deren humanitäre Hilfsprogramme eingestellt haben. Die durch Yazda organisierte Hilfe war für viele hundert Familien die einzige Hilfe, die bei ihnen angekommen ist. Wenn diese nicht bald wieder aufgenommen werden kann, droht eine weitere humanitäre Katastrophe!

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Es gibt aber trotz all der Schwierigkeiten und schlechten Nachrichten auch Gutes zu berichten:

Die Schrecken des Krieges und die Not konnten die Menschen nicht daran hindern, Weihnachten zu feiern. Selbst in den befreiten Städten wurden in zumindest je einer Kirche Weihnachtsgottesdienste gefeiert und der Geburt Jesu gedacht.

Auch wurden durch viele Hilfsorganisationen Weihnachtsgeschenke an die Kinder verteilt, teils sogar in abgelegenen Dörfern, um auch wirklich alle Kinder zu erreichen.

Kurz vor meiner Heimreise durfte ich dann – es war ein ganz besonderes Erlebnis – vier der sieben jungen Frauen, die im Oktober den schrecklichen Überfall der IS-Terroristen auf ihr Studentenwohnheim in Kirkuk wie durch ein Wunder unversehrt überstanden, kennenlernen (wir hatten darüber in einem Rundschreiben berichtet). Wie Sie sich vielleicht erinnern, war es ihnen gelungen, sich unter ihren Betten zu verstecken, während sich eine Gruppe schwerbewaffneter Terrorkämpfer über Stunden in dem selben Raum aufhielt. Teils saßen diese Männer essend und trinkend auf den Betten, unter denen die Mädchen starr vor Angst ausharrten.

Es ist erfreulich, dass die Studentinnen ihre schlimmen Erlebnisse offensichtlich gut verarbeiten konnten und alle ihr Studium in Kirkuk fortsetzen. CitizenGO wird sich auch weiterhin aktiv an der Finanzierung der von Bischof Mirkis organisierten und unterhaltenen Studentenwohnheime beteiligen!

Aus Sicherheitsgründen haben die Studentinnen darum gebeten, auf Fotoaufnahmen zu verzichten, um ihre persönliche Sicherheit nicht unnötig zu gefährden.

Mit all den Menschen in der Region teile ich, wie vermutlich auch Sie, , den Wunsch nach Frieden im Nordirak und dem gesamten Nahen und Mittleren Osten. Damit wir bald so schöne Bilder, wie das nachfolgende Foto eines weihnachtlichen Sonnenaufganges über der Ninive-Ebene, betrachten können ohne gleichzeitig an Leid, Krieg und Zerstörung zu denken.

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Der Dreikönigstag erinnert uns an jenes Morgenland, das die aufgehende Sonne mit dem Glanz ihres warmen Lichtes überflutet und erfüllt. Bleiben wir weiterhin solidarisch mit den Menschen dort. Sie – und vor allem die durch den Islamischen Staat Vertriebenen – werden unser Gebet und unsere humanitäre Hilfe weiterhin benötigen. Dazu Sicherheitsgarantien und ein groß angelegtes Hilfsprogramm der Weltgemeinschaft für den Wiederaufbau, den sie aus eigener Kraft nicht bewältigen können.

Eduard Pröls / CitizenGO Deutsch

CitizenGO wünscht Ihnen ein gutes, glückliches und gesegnetes Jahr 2017!

Das Team von CitizenGO wünscht Ihnen ein gutes Neues Jahr 2017!

Liebe Freunde von CitizenGO,

pünktlich zum Jahresbeginn 2017 startet auch das deutschsprachige CitizenGO einen eigenen Blog, in dem wir Sie zukünftig in unregelmäßigen Abständen über besondere Aktivitäten informieren und Ihnen auch den ein oder anderen Einblick „hinter die Kulissen“ unserer täglichen Arbeit gewähren werden.

Auf dem Bild sehen Sie einen Teil unserer europäischen Campaigner, die sich Ende November im Hauptquartier von CitizenGO getroffen hatten. Das neue Jahr wartet auf uns alle mit großen Herausforderungen, von denen uns viele noch gar nicht bekannt sind. Was aber leider bereits in den ersten Stunden des Jahres 2017 deutlich geworden ist, ist die Tatsache, dass wir alle wohl auch in diesem Jahr von schrecklichen Ereignissen, Terroranschlägen und sinnlosen Gewalttaten nicht verschont bleiben werden. Hoffen wir, dass es weniger Schreckensmeldungen als im Jahr 2016 geben wird.

In unserem deutschsprachigen Team hat es zum Jahresende einige Veränderungen gegeben: Ruth Staiger und Michael Eichinger haben CitizenGO leider zum Jahresende  verlassen. Wir danken beiden für die hervorragende Arbeit, die sie in der Vergangenheit geleistet haben und wünschen ihnen alles Gute auf ihrem weiteren Weg.

Ganz neu im internationalen Team ist Michiel Hemminga (im Bild ganz rechts), der CitizenGO 2017 in den Niederlanden aufbauen und voranbringen wird. Die anderen Kolleginnen und Kollegen werden wir Ihnen im Laufe der Zeit auch nach und nach vorstellen – denn CitizenGO versteht sich, wie Ihnen ja bekannt ist, als eine Gemeinschaft aktiver Bürger, die zusammen etwas bewegen und dafür sorgen möchten, dass die von uns vertretenen Werte von den politischen Entscheidungsträgern wahrgenommen und umgesetzt werden.

Wir freuen uns auf eine gute und erfolgreiche Zusammenarbeit im Jahr 2017!

Ihr Eduard Pröls von CitizenGO Deutsch